Französische Wissenschaftler haben herausgefunden, das sich die beiden Hirnhälften eines Menschen nicht immer einig sind. Die beiden Körperhälften können voneinander unabhängig motiviert sein. “So reagieren Probanden auf eine potenzielle Belohnung stärker mit der rechten Hand, wenn sie diese in der rechten Hälfte ihres Gesichtsfelds sehen, und umgekehrt. Der Effekt zeigt sich auch dann, wenn die Belohnungsreize nur unbewusst wahrgenommen werden”.
Mehr zur Versuchsanordnung und den Ergebnissen hier: wissenschaft.de

“Das Gehirn verfügt über erstaunliche Potentiale der Regeneration. Das zeigen jüngste Forschungen, die verblüffend leicht zu verjüngende Nervenzellen ausgemacht haben. Die therapeutischen Hoffnungen sind entsprechend hoch.”
Artikel in der FAZ von Joachim Müller-Jung

Depressionen sind weit verbreitet, das Phänomen ist extrem hartnäckig. Ausgerechnet Charles Darwin, dessen Theorie etwas so “sinnloses” wie die Ausbreitung von Depressionen eigentlich nicht zulässt, scheint selbst in Höchstmaß von Depressionen betroffen gewesen zu sein. An nur zwei von drei Tagen sei er überhaupt arbeits- und leistungsfähig gewesen zu sein, steht in dem brillianten Artikel, Vom Nutzen der Schwermut von Jonah Lehrer in der online Ausgabe der FAZ. Hier stellt er die Frage, ob die Depression nicht doch einen geheimen Sinn erfüllt.
Die ganzheitliche Betrachtung des Menschen erlaubt uns schon länger, Krankheiten und Störungen unter dem Gesichtspunkt der Sinnhaftigkeit zu betrachten, Dahlke geht beispielsweise grundsätzlich davon aus, dass uns der Körper etwas mitteilen will, wenn er versagt, auf eben diesem Grundgedanken ist auch die Psychotherapie entstanden.
Ist also die Depression tatsächlich etwas, was mit moderner Medizin möglichst schnell und schmerzlos bekämpft werden sollte?
Durch Hirnforschung und Pharmakologie entsteht eine Neubewertung, Forscher lokalisieren die Fähigkeit zur Konzentration im ventrolateralen präfrontalen Cortex (VLPFC) und haben festgestellt, dass diese Region bei depressiven Menschen überaktiv ist. Sie belegen nicht nur den Nutzen bzw. die Sinnhaftigkeit einer Depression, sondern zeigen darüber hinaus sogar besondere Vorteile für die Konzentration, die schöpferische und die analytische Leistungsfähigkeit auf.
So könnte erklärt werden, warum man “immer wieder einen Zusammenhang zwischen Kreativität und depressiver Veranlagung findet”. Andere Studien haben herausgefunden, dass melancholische gestimmte Menschen genauer hinsehen, hinhören und deutlich mehr Informationen aufnehmen als die sorglos glücklichen. Das läßt sich vielleicht damit erklären, dass uns die Depression das Gefühl gibt, alles realistischer zu bewerten: “je bitterer das Leben empfunden wird, desto realistischer scheinen wir die Welt zu sehen. Und bemühen uns, das besonders exakt zu erfassen.” “Die Generation der Romantiker sah das Leiden vollends als essentielle Voraussetzung für jede Art schöpferischen Daseins: “War-um siehst du nicht, wie notwendig eine Welt voller Pein und Mühe ist, um die Intelligenz zu schulen und eine Seele hervorzubringen?”

Quellen:
Vom Nutzen der Schwermut
FAZ
Jonah Lehrer
James A. Thomson, Paul Andrews
Neurobiologen haben bestätigt, was Sozialwissenschaftler schon wissen: Das Gefühl für Gerechtigkeit ist nachweislich im Gehirn verankert, genau genommen sitzt es im Striatum und im präfrontalen Cortex.
“Schon das sehr kleine Kind entwickelt – wahrscheinlich gegen Ende des zweiten Lebensjahres – ein Urbedürfnis nach Gerechtigkeit”, sagt Léon Wurmser, der weltweit anerkannte Schweizer Psychoanalytiker. Das Areal im Gehirn mit dem Namen Striatum ist beim Gefühl der Ungerechtigkeit besonders aktiv. Ebenso bei Rachegedanken, Rache ist demnach der Wunsch, ein gestörtes Gleichgewicht wiederherzustellen.
Anscheinen war bisher unklar, ob die Menschen tatsächlich eine Abneigung gegen Ungleichheiten haben könnten oder ob sie “nur” um ihr soziales Image fürchten. Diese These erscheint mir zwar befremdlich angesichts der mehrfachen Beobachtung deutlich ausgeprägten Gerechtigkeitssinns bei Kindern – aber gut – letztlich ist die Wissenschaft angetreten, um Dinge zu beweisen, die wir – meistens – eh schon wissen, nur auf einer anderen Ebene. Der Artikel bei Spiegel.de ist auf jeden Fall lesenswert.

Wir brauchen die sogenannten Alphatiere als Motoren unserer Gesellschaft. Das ist klar. Es ist auch klar, dass es es eine gesunde Mischung von Alphas und Nicht-Alphas in der Wirtschaft geben sollte. Das ist in der jetzigen Krise deutlich geworden. Der Bonner Hirnforscher Christian Elger untersucht in diesem Zusammenhang Entscheidungsabläufe im Gehirn; er stellt fest, dass Geld und Gewinne das Belohnungssystem im Gehirn besonders aktivieren und gleichzeitig den höchsten Hierarchiegipfel unseres Gehirns besetzen .
Ein Beispiel aus der Spieltheorie:
Person A hat 1000 Euro, die er mit Person B teilen soll. A will 300 Euro abgeben, B will aber verständlicherweise 500 Euro haben. Person B kann nun wählen, entweder ist er mit 300 Euro zufrieden oder bekommt gar nichts. In so einem Fall entscheidet sich Person B meistens für die zweite Variante, obwohl sie dann gar nichts bekommt – nur um sicherzustellen, dass Person A nicht besser abschneidet. Dieses Verhalten ist zwar nicht ökonomisch, erfüllt aber einen anderen Zweck: Der Hirnscanner zeigt, dass dieses bestrafende Verhalten ebenfalls das Belohnungssystem aktiviert und das negative Gefühl des entgangenen Gewinns sogar kompensieren kann. “Mit anderen Worten: das Gerechtigkeitsempfinden ist bei den meisten Menschen stärker als das Streben nach dem eigenen materiellen Vorteil. Das ist evolutionär wichtig, weil der Mensch ein soziales Wesen ist, das in hohem Maße auf Kooperation innerhalb einer Gruppe angewiesen ist. Da kann sich ein zu stark ausgeprägtes individuelles Gewinnstreben kontraproduktiv auswirken.” Christian Elger
Es gibt aber auch Menschen, die es eindeutig vorziehen, zu gewinnen. Bei diesen Menschen ist das Gerechtigkeitsempfinden eher nebensächlich. Dazu folgende Untersuchung:
Zwei Versuchspersonen bekommen im Hirnscanner die Aufgabe, die Anzahl von Punkten zu schätzen, die ihnen über eine Videobrille gezeigt werden. Die richtige Antwort wird mit Geld belohnt. Dafür gibt es zwei Varianten. Erste Variante: beide Probanden bekommen jeweils 60 Euro, zweite Variante: einer bekommt die 60 Euro, während der andere entweder 30 oder 120 Euro erhält. Im Ergebnis ist die Freude bei einigen Menschen am größten, wenn sie selbst die große Summe gewinnen, wobei sich auch in diesem Experiment gezeigt hat, dass sich die meisten Menschen am wohlsten fühlen, wenn beide gleich viel gewinnen.
Offensichtlich korrespondiert das Gewinnstreben öfters mit dem extrovertierten Typ und das Bedürfnis nach Gleichberechtigung öfters mit dem introvertierten Typ. Zumindest spricht das Belohnungssystem eines introvertierten Menschen weniger stark auf bestimmte Reize an. Von psychologischen Tests als Eruierungsmethode hält der Wissenschaftler allerdings weniger. Besser geeignet sind genetische Untersuchungen, über die sich Verhalten – etwa bei Gewinnspielen – zu einem großen Teil vorhersagen lässt. 50 Prozent sind etwa erblichkeitsbedingt, der Rest ist auf Umwelteinflüsse wie Erziehung und persönliche Erfahrungen zurückzuführen.
Quellen:
Stuttgarter Zeitung.de
Deutschlandradio Kultur
Focus.de

