Netz im Kopf – ist unser Gehirn so wenig hierarchisch wie das Internet?

 

Muss unser Bild des Gehirns umgeschrieben werden? Amerikanische Forscher haben an Ratten gezeigt, dass die Verschaltung verschiedener Areale miteinander nicht, wie bisher angenommen, hierarchisch aufgebaut ist, “sondern eher dem dezentralen System des Internets gleicht. Die jetzt in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences” (PNAS) erschienene Studie basiert auf einer neuen Methode, die auch weitergehende Analysen der neuronalen Verbindungen ermöglicht.”

Der Wissenschaftler der Universität von Südkalifornien Larry W. Swanson, Professor für Biologie der Universität von Südkalifornien entwickelte eine neue Methode, um Schaltkreise im Gehirn zu identifizieren.

“Das resultierende Diagramm der „Verschaltungen“ war überraschend anders als landläufig angenommen. Statt einer geordneten hierarchischen Struktur fand sich ein Muster von Schleifen, eine Struktur, die dem Schaltbild eines Netzwerks für das verteilte Rechnen glich. „Wir haben an einer Stelle begonnen und uns die Verbindungen angeschaut”, so Swanson. „Es ergibt sich kein Organigramm. Es gibt kein Oben und Unten darin.“

Möglicherweise sollte die Struktur des Gehirns noch einmal überdacht werden. Die neuen Ergebnisse sprechen jedenfalls für eine nicht-hierarchische Organisation des Gehirns.

Quelle: www.scinexx.de

Bild: Johannes Hoentsch by pixelio


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Hirnforschung wird die Welt verändern / Projekt Zukunft

 

Links will anders als rechts

 

Französische Wissenschaftler haben herausgefunden, das sich die beiden Hirnhälften eines Menschen nicht immer einig sind. Die beiden Körperhälften können voneinander unabhängig motiviert sein. “So reagieren Probanden auf eine potenzielle Belohnung stärker mit der rechten Hand, wenn sie diese in der rechten Hälfte ihres Gesichtsfelds sehen, und umgekehrt. Der Effekt zeigt sich auch dann, wenn die Belohnungsreize nur unbewusst wahrgenommen werden”.
Mehr zur Versuchsanordnung und den Ergebnissen hier: wissenschaft.de

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Neurofeedback: Diagnose-, Therapie- und Trainingsmethode der Zukunft

 

AUTOR: Erik Prochnow

„Wir wurden nie darüber aufgeklärt, dass unsere Körper das tun, was ihnen gesagt wird – wenn wir wissen, wie man es ihnen sagt.“ Diese Erkenntnis des amerikanischen Physikers Elmar Green ist weder das Ergebnis jüngster Forschungsvorhaben noch eine wissenschaftliche Spekulation. Der Vorreiter des Neurofeedback entdeckte die menschliche Fähigkeit zur umfassenden Beeinflussung des eigenen Körpers bereits vor mehr als dreißig Jahren.

In zahlreichen Versuchen und Studien – nicht zuletzt an indischen Yogis – erkannten Green und andere Wissenschaftler, dass wir Menschen auch eine Vielzahl von Körperfunktionen steuern können, die bis in die 60er Jahre als unbeeinflussbar galten. Nicht nur motorische Tätigkeiten, sondern auch Funktionen des autonomen Nervensystems wie Atmung, Frequenz des Herzschlags, Muskeltonus, Hauttemperatur oder Blutzirkulation können willentlich gesteuert werden. Green schloss dazu seine Probanden mittels Elektroden an Geräte an, die zum Beispiel den aktuellen und den erwünschten – entspannten – Muskeltonus anzeigten. Die Versuchsteilnehmer hatten die Aufgaben, sich auf den Muskeltonus zu konzentrieren oder tiefer zu atmen. Ein Ton oder ein aufleuchtendes farbliches Signal meldete ihnen dann laufend, wenn sie den erwünschten Muskeltonus erreichten. Ziel des Experiments war es, diesen Zustand dauerhaft zu halten. Und das gelang den Probanden meist, wenn sie sich tief entspannten. Damit wurden die wissenschaftlichen Studien Wegbereiter für die Therapieform des Biofeedback, die bis heute Entspannung, Stressbewältigung und Aufmerksamkeit schult.

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Empathie – “use it or lose it”

 

Empathie (Einfühlungsvermögen) ist die Fähigkeit, sich in die Gedanken und Gefühle von anderen hineinzuversetzen, Sichtweisen und Perspektiven wahrzunehmen und zu verstehen. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort “empatheia” für “Einfühlung” ab.

Entscheidend ist dabei, die Gedanken, Aussagen und Emotionen des anderen für einen kurzen, bewussten Moment selbst zu erleben. Empathie ist die Wahrnehmung des anderen, ohne Bewertung, ohne die eigene Perspektive oder eine pseudo-rationale oder pseudo-objektive Sichtweise. Empathie unterscheidet sich auch von Mitgefühl. Mitgefühl ist bereits eine Wertung, wenn auch (meistens) eine positive. Wenn wir unser Gegenüber in seiner Not, Freude oder Naivität verstehen und seine Weltsicht erleben sind wir empathisch. Interessant sind dazu auch Erkenntnisse aus der Hirnforschung über Spiegelneuronen. Bewegung, Mimik oder Körpersprache von anderen werden von unserem Gehirn entschlüsselt, dabei entsteht in unserem Gehirn ein Spiegelbild von dem, was wir sehen. Dadurch werden spezifische Spiegelneuronen aktiv, die die entsprechenden Gefühle zum Schwingen bringen. Spiegelneuronen übertragen also den gleichen Zustand der beobachtenden Person. Wesentlich für diesen Prozess ist es allerdings, jemanden zu sehen – am Telefon oder per Email funktioniert es nicht.

Einfühlungsvermögen ist ein elementares Soft Skill. Ein Mangel an Einfühlungsvermögen kommt in der Wahrnehmung vieler Menschen einem Mangel an Menschlichkeit gleich. “Laut einer Studie der University of Michigan sind amerikanische Studenten heute weniger fähig zur Empathie als das früher der Fall war. Die Untersuchung beleuchtet einen Zeitraum von 30 Jahren. “Wir haben die größte Abnahme an Einfühlsamkeitsvermögen nach dem Jahr 2000 festgestellt,” sagt Sara Konrath, eine Wissenschaftlerin am Institut für Sozialforschung an der University of Michigan. Standard-Tests hätten ergeben, dass College-Schüler heute über 40 Prozent weniger einfühlsam seien als ihre Kollegen vor 20 oder 30 Jahren.” Zeit.de

“Use it or lose it” (nutze oder verliere sie) heißt das Motto der Forscher, das auf alle Nervenzellsysteme zutrifft, die Spiegelneuronen nicht ausgenommen. Wer sein Einfühlungsvermögen also verbessern möchte, sollte in drei Bereichen trainieren:

1. Die Fähigkeit der Wahrnehmung verbessern, Menschen zuhören, deren Motive und Beweggründe erfahren

2. Die Sinneswahrnehmung bezüglich der Körpersprache der Mitmenschen schärfen

3. Beurteilungen so weit wie möglich vermeiden, bzw. die eigene und die fremde Bewertung bewusst auseinanderhalten


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Erneuerungspotential im Gehirn

 

“Das Gehirn verfügt über erstaunliche Potentiale der Regeneration. Das zeigen jüngste Forschungen, die verblüffend leicht zu verjüngende Nervenzellen ausgemacht haben. Die therapeutischen Hoffnungen sind entsprechend hoch.”

Artikel in der FAZ von Joachim Müller-Jung


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Pinky & Brain erklären das Gehirn

 

Lustiger 2 Minuten Ohrwurm für die Mittagspause:


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Nutzen der Depression

 

Depressionen sind weit verbreitet, das Phänomen ist extrem hartnäckig. Ausgerechnet Charles Darwin, dessen Theorie etwas so “sinnloses” wie die Ausbreitung von Depressionen eigentlich nicht zulässt, scheint selbst in Höchstmaß von Depressionen betroffen gewesen zu sein. An nur zwei von drei Tagen sei er überhaupt arbeits- und leistungsfähig gewesen zu sein, steht in dem brillianten Artikel, Vom Nutzen der Schwermut von Jonah Lehrer in der online Ausgabe der FAZ. Hier stellt er die Frage, ob die Depression nicht doch einen geheimen Sinn erfüllt.
Die ganzheitliche Betrachtung des Menschen erlaubt uns schon länger, Krankheiten und Störungen unter dem Gesichtspunkt der Sinnhaftigkeit zu betrachten, Dahlke geht beispielsweise grundsätzlich davon aus, dass uns der Körper etwas mitteilen will, wenn er versagt, auf eben diesem Grundgedanken ist auch die Psychotherapie entstanden.
Ist also die Depression tatsächlich etwas, was mit moderner Medizin möglichst schnell und schmerzlos bekämpft werden sollte?
Durch Hirnforschung und Pharmakologie entsteht eine Neubewertung, Forscher lokalisieren die Fähigkeit zur Konzentration im ventrolateralen präfrontalen Cortex (VLPFC) und haben festgestellt, dass diese Region bei depressiven Menschen überaktiv ist. Sie belegen nicht nur den Nutzen bzw. die Sinnhaftigkeit einer Depression, sondern zeigen darüber hinaus sogar besondere Vorteile für die Konzentration, die schöpferische und die analytische Leistungsfähigkeit auf.

So könnte erklärt werden, warum man “immer wieder einen Zusammenhang zwischen Kreativität und depressiver Veranlagung findet”. Andere Studien haben herausgefunden, dass melancholische gestimmte Menschen genauer hinsehen, hinhören und deutlich mehr Informationen aufnehmen als die sorglos glücklichen. Das läßt sich vielleicht damit erklären, dass uns die Depression das Gefühl gibt, alles realistischer zu bewerten: “je bitterer das Leben empfunden wird, desto realistischer scheinen wir die Welt zu sehen. Und bemühen uns, das besonders exakt zu erfassen.” “Die Generation der Romantiker sah das Leiden vollends als essentielle Voraussetzung für jede Art schöpferischen Daseins: “War-um siehst du nicht, wie notwendig eine Welt voller Pein und Mühe ist, um die Intelligenz zu schulen und eine Seele hervorzubringen?”


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Quellen:
Vom Nutzen der Schwermut
FAZ
Jonah Lehrer
James A. Thomson, Paul Andrews

Grundbedürfnis nach Gerechtigkeit

 

Neurobiologen haben bestätigt, was Sozialwissenschaftler schon wissen: Das Gefühl für Gerechtigkeit ist nachweislich im Gehirn verankert, genau genommen sitzt es im Striatum und im präfrontalen Cortex.
“Schon das sehr kleine Kind entwickelt – wahrscheinlich gegen Ende des zweiten Lebensjahres – ein Urbedürfnis nach Gerechtigkeit”, sagt Léon Wurmser, der weltweit anerkannte Schweizer Psychoanalytiker. Das Areal im Gehirn mit dem Namen Striatum ist beim Gefühl der Ungerechtigkeit besonders aktiv. Ebenso bei Rachegedanken, Rache ist demnach der Wunsch, ein gestörtes Gleichgewicht wiederherzustellen.

Anscheinen war bisher unklar, ob die Menschen tatsächlich eine Abneigung gegen Ungleichheiten haben könnten oder ob sie “nur” um ihr soziales Image fürchten. Diese These erscheint mir zwar befremdlich angesichts der mehrfachen Beobachtung deutlich ausgeprägten Gerechtigkeitssinns bei Kindern – aber gut – letztlich ist die Wissenschaft angetreten, um Dinge zu beweisen, die wir – meistens – eh schon wissen, nur auf einer anderen Ebene. Der Artikel bei Spiegel.de ist auf jeden Fall lesenswert.


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Alphatiere in der Gewinnzone

 

Wir brauchen die sogenannten Alphatiere als Motoren unserer Gesellschaft. Das ist klar. Es ist auch klar, dass es es eine gesunde Mischung von Alphas und Nicht-Alphas in der Wirtschaft geben sollte. Das ist in der jetzigen Krise deutlich geworden. Der Bonner Hirnforscher Christian Elger untersucht in diesem Zusammenhang Entscheidungsabläufe im Gehirn; er stellt fest, dass Geld und Gewinne das Belohnungssystem im Gehirn besonders aktivieren und gleichzeitig den höchsten Hierarchiegipfel unseres Gehirns besetzen .

Ein Beispiel aus der Spieltheorie:

Person A hat 1000 Euro, die er mit Person B teilen soll. A will 300 Euro abgeben, B will aber verständlicherweise 500 Euro haben. Person B kann nun wählen, entweder ist er mit 300 Euro zufrieden oder bekommt gar nichts. In so einem Fall entscheidet sich Person B meistens für die zweite Variante, obwohl sie dann gar nichts bekommt – nur um sicherzustellen, dass Person A nicht besser abschneidet. Dieses Verhalten ist zwar nicht ökonomisch, erfüllt aber einen anderen Zweck: Der Hirnscanner zeigt, dass dieses bestrafende Verhalten ebenfalls das Belohnungssystem aktiviert und das negative Gefühl des entgangenen Gewinns sogar kompensieren kann. “Mit anderen Worten: das Gerechtigkeitsempfinden ist bei den meisten Menschen stärker als das Streben nach dem eigenen materiellen Vorteil. Das ist evolutionär wichtig, weil der Mensch ein soziales Wesen ist, das in hohem Maße auf Kooperation innerhalb einer Gruppe angewiesen ist. Da kann sich ein zu stark ausgeprägtes individuelles Gewinnstreben kontraproduktiv auswirken.” Christian Elger

Es gibt aber auch Menschen, die es eindeutig vorziehen, zu gewinnen. Bei diesen Menschen ist das Gerechtigkeitsempfinden eher nebensächlich. Dazu folgende Untersuchung:

Zwei Versuchspersonen bekommen im Hirnscanner die Aufgabe, die Anzahl von Punkten zu schätzen, die ihnen über eine Videobrille gezeigt werden. Die richtige Antwort wird mit Geld belohnt. Dafür gibt es zwei Varianten. Erste Variante: beide Probanden bekommen jeweils 60 Euro, zweite Variante: einer bekommt die 60 Euro, während der andere entweder 30 oder 120 Euro erhält. Im Ergebnis ist die Freude bei einigen Menschen am größten, wenn sie selbst die große Summe gewinnen, wobei sich auch in diesem Experiment gezeigt hat, dass sich die meisten Menschen am wohlsten fühlen, wenn beide gleich viel gewinnen.

Offensichtlich korrespondiert das Gewinnstreben öfters mit dem extrovertierten Typ und das Bedürfnis nach Gleichberechtigung öfters mit dem introvertierten Typ. Zumindest spricht das Belohnungssystem eines introvertierten Menschen weniger stark auf bestimmte Reize an. Von psychologischen Tests als Eruierungsmethode hält der Wissenschaftler allerdings weniger. Besser geeignet sind genetische Untersuchungen, über die sich Verhalten – etwa bei Gewinnspielen – zu einem großen Teil vorhersagen lässt. 50 Prozent sind etwa erblichkeitsbedingt, der Rest ist auf Umwelteinflüsse wie Erziehung und persönliche Erfahrungen zurückzuführen.

Quellen:
Stuttgarter Zeitung.de
Deutschlandradio Kultur
Focus.de


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